Gesamtdarstellung
(WERKSCHAU 2004)
TIP 24-2004
Letzte Reihe
Ob das Filmkunsthaus Babylon im Dezember geöffnet hat, ist ungewiss.
Kultursenator Thomas Flierl will seine Sparziele auch in dem vom
Land Berlin geförderten Traditionshaus durchsetzen. Gut möglich
also, dass am 30. November die vorerst letzte Vorstellung stattfindet.
Eine der letzten Werk schauen ist in diesem Monat dem Regisseur
Robert Bramkamp gewidmet. Bramkamps Filme sind intelligente, fantasiereiche
Bearbeitungen von Mythen und Wirklichkeit, sie verbinden Fakt und
Fiktion. Sein jüngster Film "Prüfstand 7", inspiriert von Thomas
Pynchons "Die Enden der Parabel", erkundet die Raketenfabrik der
Nazis in Peenemünde, wo Wernher von Braun an der V2 arbeitete. Die
Raketenfee Bianca (Inga Busch) sucht an der Ostsee nach ihrer Verwandtschaft
und schaut bei slapstickartigen Fehlstarts von Raketen zu. "Die
Eroberung der Mitte" hingegen ist Bramkamps satirischer Kommentar
zur therapiesüchtigen Gesellschaft mit Peter Lohmeyer und Karina
Fallenstein in den Hauptrollen. Zur Vorführung am 30. November wird
Robert Bramkamp anwesend sein. Danach kann man sich Gedanken über
die Therapiemassnahmen des Kultursenators machen.
Faction
Kaum noch eine historische Fernsehdokumentation kommt ohne nachgespielte
Szenen aus, wie wenig erhellend die auch sein mögen. Dass man das
Verhältnis zwischen fact und fiction auch unendlich intelligenter
und fantasievoller angehen kann, zeigen die Filme von Robert Bramkamp,
dem das Babylon jetzt eine Werkschau widmet: Darin kann man u.a.
sehen, was es mit den V-2-Raketen der Nazis auf sich hatte ("Prüfstand
7"), was für Blüten der Psychoboom treiben kann ("Die Eroberung
der Mitte") und welche geheimen Botschaften sich auf den uns allseits
bekannten Kinokarten der Firma Beckerbillett finden.
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