DER
BOOTGOTT VOM SEESPORTCLUB/
THE BOAT GOD OF THE LAKESIDE SPORTSCLUB
Süddeutsche Zeitung/Feuilleton Film, 14.9.2006
Enkis Comeback
Der "Bootgott vom Seesportclub" im Münchner
Filmmuseum
von Fritz Göttler
Nie wird man wie früher neu anfangen können ... Das ist
eine traurige Bilanz, zu Beginn eines Films. Es geht dabei um die
ganz große Geschichte, um Menschheitsgeschichte, weit in die
Zeit vor der Sintflut hinein. Als die Götter sich ungeniert
unter die Menschen mengten, in den Tempeln in ihren Städten
wohnten, Und den Menschen praktische Anregungen gaben, wie sie so
richtig menschlich werden können. Das war einmal - nun gibt
es Tendenzen, die alten Schriften zu unterdrücken und zu zerstören.
Plünderer wüten in den alten Bibliotheken.
Einer der Götter taucht wieder auf zu Beginn dieses Films
und tritt zurück ans Land - das ist Enki, der Herr des Wassers,
und er bewegt sich nun in der Gestalt von Steffen Enkert unter den
Menschen, im neuen Zweistromland, zwischen Oder und Spree, am Ufer
des kleinen Scharmützelsees, südlich von Berlin, der ideal
ist für das 5000m-Kutter-Rudern. Und Enki sorgt erst mal dafür,
dass der Film, der sich ihm widmet, einen Titel bekommt: "Der
Bootgott vom Seesportclub - 100 ME, Teil 1". Am Donnerstag
um 19 Uhr läuft er im Münchner Fihnmuseum, vorgestellt
vom Filmemacher Robert Bramkamp, der zuletzt in "Prüfstand
7 " eine weibliche V2-Rakete ihr Schicksal reflektieren ließ.
Der neue Enki fängt ganz unten an, als ABMler, mit den einfachsten
Arbeiten und Angelegenheiten im Seesportclub Wendisch Rietz. Und
es ist schön, den Menschen dort zuzuschauen, beim Rudern und
beim Träumen und über ihre Maschinen gebeugt die Boote
und die Werkbänke (und wenn sie Mühsal und Worte aufwenden,
wird ein Rhythmus, ein Sinn, eine Ruhe geboren). Was Robert Bramkamp
hier macht, hat mit dem zu tun, was Straub/Huillet oder James Benning
machen, was Jean Renoir oder John Ford machten oder der alte Robert
Flaherty. Seine wichtigste Aufgabe, sagt Enki, sei es, an möglichst
viele andere zu delegieren, ein Netz der Kommunikation zu spannen,
der community, der Gemeinschaft. Die Mischungen, die Monstren erzeugen
- wir wissen es -, "sind im Kino nicht nur erlaubt, sie sind,
wenn man es recht bedenkt, sein Gesetz. . . Vor allem seitdem die
Leinwand redet, wimmelt es von Chimären und Kentauren und Werwölfen.
Sogar Götter wandeln zuweilen wieder unter den Menschen."
(Frieda Grafe) Dies ist ein Film, bei dem nicht über seine
Konzeption, seine Entstehung erzählt werden muss, sondern vor
allem über seine Zukunft. Er ist Teil eines Internet-Projekts,
das Robert Bramkamp am Donnerstag vorstellen wird (Informationen
auf www.enki100.net).
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