EINER
KEINER 100000
Neue Westfälische, Rubrik Tele-Kritik, 02.02.1989
Sprengsatz
Das Programm von SAT 1 und RTL plus fällt im allgemeinen durch
das Wiederkauen von uralten amerikanischen Serien auf. Wenig attraktiv
für Zuschauer, die nicht unbedingt wissen wollen, ob Larry
Hagman auch vor zwanzig Jahren schon unter Haarausfall zu leiden
halte. Beide Privatsender waren für ihren Mut zum rahmensprengenden
Experiment bisher nicht in Erscheinung getreten. Der Zwang, fast
rund um die Uhr Programm ausstrahlen zu müssen, macht´s
möglich. In eigener Regie gestalten die Filmhäuser Nordrhein-Westfalens
(Bielefeld eingeschlossen) von nun ab sechsmal im Jahr das halbstündige
Kulturmagazin "Einer, keiner, 100 000". Das ist billig,
kurz und so spät, daß es kaum einer merkt.
Das neue Kulturmagazin bot durchgehend bewegte Bilder, die im Fernsehen
sonst nicht zu sehen sind. Wohltuend, daß kein erklärender
Moderator sie verknüpfen mußte. Ein Wunder: Es geht auch
ohne. Bei einem Interview wagte man den allzu seltenen selbstkritischen
Blick hinter die Kulissen. Da trimmt ein Femsehreporter sein Opfer
so lange auf die knappe, roboterhaft abgespulte Entgegnung, bis
alle Spontaneität endgültig ausgetrieben ist. Erfrischend
ungehobelt erschienen dagegen die gezeichneten, kommerziellen Fotomodellnixen
aus dem experimentellen Animationsfllm von Josef Stöhr: "Auch
in der Elbe immer dasselbe."
Die Diskussion mit Jean-Marie Straub machte Lust auf dessen Film
"Der Tod des Empedokles". Aber der läuft demnächst
im ersten Programm und nicht in SAT 1. Im privaten Sender statt
dessen: "Bezaubernde Jeannie". Folge 135.
aja
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